Video-Transkript: Rosa Menkman
Abschlussbedingungen
Nutzen Sie bei der Bearbeitung der Videos die entsprechenden Videotranskripte (Das Interview wurde in englischer Sprache durchgeführt!)
6. Rosa Menkmans Sicht auf das Zusammenspiel von Digitalität und Kunstunterricht
DE
Es ist jetzt eine wirklich wichtige Zeit, um nicht nur darüber nachzudenken, was es bedeutet, zu lehren, sondern auch, was es bedeutet, zu lernen. Ich denke, das ist vielleicht die größere Frage. Und dann, wenn man etwas lernt, was ist dann Wissen? Wie schafft man Wissen? Denn die Werkzeuge, die uns im täglichen Leben zur Verfügung stehen, vielleicht noch nicht im Klassenzimmer, aber die Werkzeuge, die uns zur Verfügung stehen, verändern sich rapide. Und das bedeutet, dass sie die Art und Weise verändern, wie wir unsere Nachrichten, unser Wissen und unsere Informationen finden. Ich würde sogar so weit gehen, dass sich die Lesbarkeit, die Qualität und vielleicht auch der Bezug zur Realität ändern. Es ist bereits sehr schwer zu wissen, was real ist und was nicht, oder wie man überhaupt definieren kann, was Realität sein kann.
Und dann ist da noch die Art und Weise, wie wir im täglichen Leben wissen, wie wir Dinge herstellen, sei es ein Rezept, wie wir unsere kleinen Balkone gärtnern oder wie wir ein Bild für eine PowerPoint-Präsentation erstellen. Diese Handlungen und das Wissen darüber, wie diese Dinge herzustellen/auszuführen sind, sowie die Art und Weise, wie wir dieses Wissen erlangen, verändern sich völlig. Unsere alltägliche Infrastruktur, die Art und Weise, wie wir uns verhalten, ändert sich also sehr, sehr schnell. Für mich stellt sich dann die Frage, welche Rolle die Bildungseinrichtung dabei spiel? Sind wir immer noch da, um zu unterrichten, oder müssen wir die Institution vielleicht auch auf die Diskussion darüber ausweiten, was Werkzeuge sind? Werkzeuge für die Schaffung von Wissen, für das Suchen und Finden. Ich denke, diese Fragen sind noch nicht vollständig in die Diskussion unserer Bildungseinrichtungen eingeflossen. Aber da sich diese Werkzeuge schnell entwickeln, müssen wir verstehen, wie sie nicht nur ihren Output formen, sondern auch die Möglichkeiten, sie zu benutzen, und auch, wer sie herstellt?
Und welche Rolle spielen sie dann in der Bildung? Und zwar nicht nur für die klassische Bildung, sondern auch für die zeitgenössische und zukünftige Bildung. Diese Diskussionen werden meiner Meinung nach absolut unterbewertet oder vielleicht noch nicht ausreichend geführt. Unsere Umgebung, unser tägliches Leben, hat sich durch die Veränderungen in unseren Werkzeugen bereits völlig verändert. Wenn Sie mich also nach der Rolle dieser digitalen Praktiken in unseren Bildungseinrichtungen fragen, würde ich wirklich darüber nachdenken, was wir lehren wollen. Welche Rolle soll das Bildungsumfeld haben? Denn vielleicht ändert sich die Rolle, weil sich auch die Suche nach Informationen ändert. Was bedeutet das für die Institution? Vielleicht müssen wir den Rahmen der Bildungseinrichtung wirklich überdenken und dann vielleicht neu formulieren und das Ganze irgendwie auseinander nehmen.
Ich denke viel darüber nach, weil ich viel unterrichte und weil es für meine Studierenden sehr einfach ist, wahllos irgendwelche Antworten zu finden. Früher ging es bei der Recherche darum, eine Antwort auf eine Frage zu finden. Wenn ich meine Schüler auffordere, eine Antwort auf eine Frage zu finden, dann heißt es für sie heutzutage, zu googeln oder die künstliche Intelligenz um eine Antwort zu bitten. Und so wird dieser ganze Schritt der Forschung umgangen. Er ist nicht mehr Teil davon. Ich muss also vielleicht die Art und Weise ändern, wie ich meinen Studierenden Aufgaben stelle. Aber ich erlebe immer noch, dass meine Studierenden denken, dass der Prozess des Antwortengebens sehr eindimensional ist. Früher warf ich bei der Forschung ein weites Netz aus, um verschiedene Blickwinkel auf ein Forschungsobjekt zu finden, und das tun sie jetzt nicht mehr. Die Dinge scheinen sehr flach zu sein/werden.
Das betrifft auch Fragen wie, was Forschung ist, was die Schaffung von Perspektive oder einer Antwort ausmacht, sowie, was eine Formulierung ist? Ich denke, mit der Einbeziehung der Instrumente, die wir nicht rückgängig machen können, müssen wir damit beginnen, sie in unsere Lehrpläne aufzunehmen. Wir müssen den Forschungsprozess wirklich neu formulieren.
Ich frage also etwas, das meinen Studierenden fremd ist, etwas, das sie nicht kennen, und es fällt ihnen schwer, mit mir auf diese Reise zu gehen, auf der es darum geht, Perspektiven zu entwickeln, anstatt Perspektiven zu fordern, sagen wir mal. In dem Moment, in dem es keinen Raum oder keine Erwartung seitens der Institution an die Studierenden gibt, zu forschen, wird die Ausbildung flach, sie wird hohl, so meine Erfahrung. Und ich stelle fest, dass es keinen Raum für echte Gespräche und echte Praxis gibt. Und wenn die Einrichtung diese Art der Beteiligung ihrer Studierenden nicht fördert, ist die Art und Weise, wie sie ihre Kurse abschließen, sehr einfach geworden. Es ist wirklich schwer für die Institution, es den Studierenden irgendwie "herausfordernd zu machen", zu verstehen, was es bedeutet, zu forschen, weil das Forschen nicht mehr wirklich erforderlich ist.
Wenn man vier oder zwei von drei Klassen hat, die diese Art von Beteiligung nicht erfordern, dann kann ich dies von der dritten Klasse nicht mehr verlangen. Wir können die Werkzeuge, die uns zur Verfügung stehen, nicht rückgängig machen, wir können K.I. nicht rückgängig machen, wir können Suchalgorithmen und Suchmaschinen nicht rückgängig machen. Wir müssen diese Technologien also auf eine Art und Weise integrieren, die von unseren Lernenden und unserer Umgebung verlangt, dass sie selbständig denken.
Wir müssen also wirklich neu darüber nachdenken, was Bildung bedeutet. Es geht nicht darum, die Antwort zu finden, sondern einen Antwort-Prozess. Ich weiß nicht wie, aber man kann versuchen, den Lernenden das individuell beizubringen, z. B. im eigenen Unterricht, aber ich kann es nicht allein. Dies erfordert also eine völlige Überarbeitung des Konzepts, was Bildung in unserer digitalen Zeit bedeutet.
EN
Well, it's a really important time right now to consider not just what it means to teach, but also what it means to learn. I think that is maybe the bigger question. And then also, when you learn something, what is knowledge? How do you create knowledge? Because the tools that are at our disposal in our daily lives, so maybe not yet in the classroom, but the tools that are at our disposal are changing rapidly. And that means they are changing the way we find our news, we find our knowledge, we find our information. But I'll go as far as that what is changing is that there is a change in legibility, in quality, in maybe a reference to reality. It's very hard now to know what is real and what is not real, or even how to define what reality is in a certain way.
And then also the way we, in a day-to-day life, know how to create things, whether that is a recipe, how to garden our little balconies, or how to create an image for a PowerPoint. Those actions and the knowledge about how to do these things are also the way we gain that knowledge, are completely changing. So our day-to-day infrastructure, the ways we behave, are changing really, really rapidly. To me, the question then becomes what's the role of the educational institution there? Are we there to still educate, or do we also maybe have to extend the institution towards the discussion of what tools are? Tools of creation, of knowledge making, of searching, of finding. And I think those questions have not yet fully entered the discussion of our educational institutions. But as those tools are rapidly developing, we need to have a grasp on how they don't just form their output, but also our ways of using them, and also who makes them.
And then what role do they have in education? And not just, you know, classic education, but also contemporary and future education. So these discussions are, I think, absolutely undervalued, or maybe not had enough as of now. While our environments our day-to-day lives are completely changed already by the changes within our tools. So when you're asking me about the role of these digital practices within our educational environments, I would really think about what is it that we want to teach? What role do we want the educational environment to have? Because maybe the role is changing, because the finding of information is also changing. Where does that leave the institution? Like maybe we need to really reconsider the framework of the institution of education, and then maybe reformulate and really pull that apart somehow.
I think about it a lot because I've been teaching a lot, and because it's really easy for my students to find any kind of answer haphazardly. What it used to be to do research was to find an answer to a question. When I ask my students to find an answer to a question, for them it's, you know, to Google or to ask artificial intelligence an answer now. And so that whole step of research is being bypassed. It's no longer part of that. So I need to change maybe the way I make assignments for my students. But then still I'm experiencing that my students think that the processes of giving answers are very one-dimensional. I used to do research by casting out a wide net, finding different angles towards a research object, and they are no longer doing that. Things seem to be very flat.
The question of what is research, what is the creation of a perspective, the creation of an answer, what is a formulation? I think with the inclusion of the tools that we cannot undo, we need to start to make them part of our educational curricula. We have to reformulate really the research process.
And so I ask something alien, something unfamiliar to my students, and I find it really hard for them to come with me on that trip towards developing perspectives rather than prompting perspectives, let's say. The moment there's no space or no expectation from the institution for the students to do research, the education becomes flat, it becomes hollow, I experience. And I find that there is no space for real conversation and real practice. And if the institution doesn't leverage that kind of involvement of their students, the way they graduate their classes has become very simple. It is really hard for the institution to "make it hard" somehow for the students to understand what it means to explore and do research is no longer really required very often.
Once you have four or two out of three classes that don't require that type of involvement, then the third class cannot ask that. We cannot undo the tools that we have around us, we cannot undo A.I., we cannot undo search algorithms and search engines. So we need to integrate that in a way that still requires our students, our environments to also think for themselves. Right?
So there is some type of way that we need to really rethink what education means. It's not finding the answer, it is finding a process. I don't know how, but this is, you can try to train your students to do that individually, like in your own classes, but I cannot do it alone. So this requires a full overhaul of thinking what education means within our digital times.
