Video-Transkript: Bjørn Melhus
4. Der Einfluss dieses Verhältnisses auf seinen Schaffensprozess
Es
ist tatsächlich so, dass es ganz viele Fragestellungen gibt, die mir
in der letzten Zeit natürlich da auch durch den Kopf gehen, aber ich
kann einfach sagen, augenblicklich bin ich so ein bisschen überrannt
von dem, was um mich herum passiert. Das sind gewisse
kulturpolitische Debatten und hochschulpolitische Sachen, dass ich
eigentlich seit mindestens einem halben Jahr überhaupt gar nicht
mehr an irgendwas richtig denken konnte.
Aber um das nochmal
vielleicht ein bisschen davor, also ich habe ja, bevor ich Kunst
gemacht habe, selber Werbung gemacht. Das war noch in den 80er
Jahren, also für so auch verschiedene Investitionsgüter etc. Und
auch für andere Dinge, so kurze Spots, es war zum Geldverdienen, da
gab es so diesen Overlap zum Anfang des Kunststudiums.
Das heißt,
daher kommt ein bisschen auch diese Form von der Frage der Verführung
oder der Slickness, das heißt mit dem, was das Industrielle mit uns
macht über das Medium, aber es dann irgendwie genau zu brechen. Das
heißt, auch Sprache zu übernehmen, also das und das und das. Jetzt
mache ich den Bogen wieder zurück zu heute, also zu gucken, wie
funktioniert das eigentlich, was da passiert. Also auch das Ganze,
ich nenne mal, die ganze Influencer-Kultur heute ist auch eine Form
von Industrie zum Beispiel. Weil da oft tatsächlich, das sind ja
Leute, die wirklich Millionen umsetzen, also jetzt bei denen, die
richtig groß im Geschäft sind. Und wo auch wiederum eine Industrie
dahinter steht, also auch eine Warenindustrie, ob das jetzt
irgendwelche Konsumgüter sind oder etwas anderes. Und da nochmal
genau drauf zu gucken und zu sagen, was sind eigentlich die, mit
welcher Formel werden irgendwelche Dinge gemacht? Darauf zu gucken
und dann die Frage zu stellen, wie können wir das vielleicht brechen
oder auch im ersten einfachsten Fall vielleicht auch verulken.
Also das heißt, um damit schon eine Brechung zu machen, um das
Verständnis zu kriegen, also was passiert da eigentlich? Also was
ist auch meine Rolle oder die Rolle aller jener, die sich das wieder
reinziehen, um vielleicht auch eine eigene Ermächtigung dagegen
wieder zu finden? Also ich denke immer, ich verstehe auch eine Praxis
gegenüber allem, was uns so zu beballert, als auch vielleicht eine
Form des Sich-Wehrens.
Und zu sagen, also okay, ich nehme das alles auf, ich kau das einmal
richtig durch und dann spuck ich es wieder aus, was da so kommt. Und
spuck denen das wieder so ins Gesicht, also das Zurückgeben. Und ich
glaube, mit diesem Ansatz oder mit diesem Gedankenansatz da
vielleicht auch mal reinzugehen und zu sagen, ja, ich kann da
vielleicht einfach was machen und was kann ich machen, wenn ich das
will?