Video-Transkript: Rosa Menkman
2. Körper in ihrer künstlerischen Arbeit
DE
Man
sieht also immer mehr, dass wir als Computernutzer nur Zugang zur
obersten Schicht unserer Rechenprozesse haben. Ich denke, in den
traditionellen Formen der Glitch-Kunst war es genau das, was wir
versucht haben, rückgängig zu machen oder wovor wir vielleicht
gewarnt haben, nämlich dass dies das Endergebnis von
Computerentwicklungen ist. In diesem Prozess des bloßen Zugriffs
oder der Entwicklung, die uns nur Zugang zum endgültigen Bild
verschafft, verlieren wir eine Menge Verständnis und Einsichten
darüber, was es bedeutet, Bilddaten, oder eigentlich jede Art von
Daten, zu verarbeiten. Im Kern bestehen Daten, wie wir uns vielleicht
noch erinnern, vielleicht aus Nullen und Einsen, vielleicht aus
einigen anderen Arten von Transformationen, aber es sind einfach
Werte, die noch nicht interpretiert werden bzw. wurden. Wenn ich also an die
Bildverarbeitungspipeline denke, würde ich gerne ganz am Anfang
beginnen.
Nehmen wir zum Beispiel das Licht, das bereits
auf unsere Augen trifft. Und dieses Licht kann auch Licht sein, das
unser Auge nicht sieht, richtig? Denn alles, was uns umgibt, all die
Photonen um uns herum, ist nur ein sehr kleiner Teil dieser Photonen,
den wir tatsächlich sehen können, und der Rest ist für uns
unsichtbar, kann aber für andere Arten von Technologien sichtbar
sein. Bluetooth, FM- oder AM-Radio, Wi-Fi-Signale - sie alle
existieren innerhalb dieser Datenebene, die als unsichtbares Licht um
uns herum schwebt. Ein sehr grundlegender Ausgangspunkt ist für mich
auch die Betrachtung des Auges als eine Art sehr begrenzte Form einer Antenne.
Und wenn wir unsere Augen gegen etwas völlig anderes austauschen
könnten, wie bspw. eine Antenne, was würden wir dann
sehen? Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Wi-Fi-Antenne im Auge,
dann könnten Sie durch die Wände hindurchsehen und die Daten sehen,
die ein Router empfangen kann. Wir könnten sehen, woher die Daten
kommen, wie sie in unseren Computer gelangen und welche anderen Arten
von Strahlung sie vielleicht stören. Auf diese Weise würden wir die
Infrastruktur um uns herum verstehen. Und das ist nur ein bestimmter
Maßstab, aber wir können auch andere Maßstäbe anlegen und alle
Arten von Dateninfrastrukturen um uns herum sehen.
Ich würde also
gerne mit diesem Teil des Körpers beginnen und darüber spekulieren.
Der Körper ist immer ein Teil dieser sehr großen Infrastruktur, die
überall um uns herum existiert: sichtbar - unsichtbar, zugänglich - unzugänglich, in Besitz und Eigentum oder tatsächlich noch teilbar (?), mit der wir spielen können. Und wenn wir diese Orte
aufdecken, indem wir uns eine Wi-Fi-Antenne ins Auge stecken, dann
würden wir tatsächlich lernen, durch verschiedene Formen des
Umfangs und der Reichweite zu sehen. Und das würde uns wirklich eine
andere Art und Weise geben, die gesamte Umgebung um uns herum zu
betrachten.
Wenn Sie also fragen: Wie ist der Körper in diesem
Zusammenhang einzuordnen? Für mich fängt es bei dem sehr
rudimentären Teil an, der nur das sehende Auge ist, das blind ist
und dessen Politik irgendwie verdeckt ist. Ich behaupte nicht, dass
wir alles sehen müssen. Ich versuche, dafür zu plädieren, zu
verstehen, was Sehen bedeutet. Sehen bedeutet nicht nur, Dinge
sichtbar zu machen. Es bedeutet auch, Dinge unsichtbar zu machen. Es
bedeutet nicht nur, wahrnehmen zu können, sondern auch, blind für
andere Dinge zu sein. Und so haben wir auch hier wieder diese Dynamik
dessen, was komprimiert wird, und Kompromisse sind in diesem Sinne
immer notwendig. Wir brauchen nicht alles, aber wir verlieren eine
Fähigkeit, wenn wir nicht verstehen, wo Kompromisse bestehen. Wir
verlieren die Fähigkeit, zu durchdenken, und mit dem Kompromiss
verlieren wir die Macht, vielleicht manchmal aufzubrechen und die
politische Dynamik der Sichtbarkeit zu verstehen, sichtbar zu machen,
was herausgefiltert wird, was hineingefiltert wird, was verbessert
wird. Und ich denke, weil unsere Kultur so sehr auf Sichtbarkeit
basiert, müssen wir die Dynamik der Unsichtbarkeit viel besser
verstehen.
Ich glaube, wir sind nur dazu erzogen worden, zu sehen und
zu lesen, aber wir sind nicht dazu erzogen worden, zu wissen, was
unsichtbar ist. Und ich glaube, dass es für Lehrende wirklich
wichtig ist, zu verstehen, dass es diesen ganzen Bereich gibt, der
uns viel mehr Einfluss und viel mehr Werkzeuge geben würde, um nicht
nur zu verstehen, wie wir sehen, was wir sehen, sondern auch, was
unsichtbar ist. Und ich glaube, dass Politik, Verkörperung,
Wirtschaft, sie alle an dieser Schwelle zum Tragen kommen. Aber der
Zugang zu dieser Schwelle wird immer stärker verschleiert.
EN
So
what you see more and more is that we as users of the computer have
only access to the top layer of our computational processes. I think
within the traditional forms of glitch art, that was exactly what we
tried to undo or tried to maybe warn against, that this was the final
outcome of computational developments. Within that process of just
having access or the development that just gives us access to the
final image, we lose a lot of understanding and insights in what it
means to process image data, or just any type of data really. At the
core of data is, as we may still remember, maybe zeros and ones,
maybe some other types of transforms, but they are just values that
are not yet interpreted. So when I think of the image processing
pipeline, I'd like to start all the way at the beginning.
I'd like to
think of, for instance, the light that comes to our eyes already. And
that light can be also light that our eye doesn't see, right? Because
everything around us, all the photons around us, there's only a very
little slip of that photons that we can actually see and the rest is
invisible to us, but might be visible to other types of technologies.
For instance, Bluetooth, FM or AM radio, Wi-Fi signals, they all
exist within this plane of data that is just floating as invisible
light around us. One very fundamental starting point for me is also
to think about the eye as kind of a very limited antenna. And then
thinking about if we could exchange our eyes to something entirely
different, like another type of antenna, what would that make us see?
So think about like having a Wi-Fi antenna in your eye, then you
would be able to see through the walls and see the data that comes
into a router. We could see where it comes from, how it enters our
computer, maybe what other types of radiation are interfering with
it. And so we would understand the infrastructure just around us. And
that is on a particular scale, but then we would look like on other
scales and we see all kinds of data infrastructures around us.
So I'd
like to start and speculate on that part of the body. The body is
always part of this very big, very large scale infrastructure that is
existing all around us: visible - invisible, accessible - inaccessible,
owned and proprietary, or actually still partable (?), that we can play
with. And if we uncover those places by putting a Wi-Fi antenna in
our eye, as a metaphor, then we would actually learn to see through
different forms of scale and scope. And that would give us really
another way to approach the whole environment around us.
So when you
say like, how does the body sit in this? Then for me, it starts at
the very rudimentary part, which is just the eye seeing, being blind
and politics being occluded somehow. I don't argue that we need to
see everything. I try to argue for understanding what seeing means.
Seeing is not just making things visible. It's also making things
invisible. It's not just being able to perceive, but it's also to be
blind to other things. And so here we have this dynamic again of what
is being compromised and compromise in that sense is always
necessary. We don't need everything, but we lose an empowerment if we
don't understand where compromises exist. We lose the ability to
think through and with compromise, we will lose the power to maybe
sometimes do break open and understand the political dynamics of
visibility, making visible what is being filtered out, what is being
filtered in, what is being enhanced. And I think because our culture
is so completely based on visibility, we need to understand the
dynamics of invisibility much better.
I think we are just educated to
know how to see and read, but we're not educated to know what is
invisible. And I feel that is as an educator is really important to
understand that there's this entire domain that would give us much
more leverage and much more tools to not just understand how we see,
what we see, but what is being unseen. And I feel that is where
politics, embodiment, economies, they're all leveraged there on that
threshold. But the access to that threshold is more and more
obfuscated.